Signale wieder auf grün?

113 Tage sind es nach meiner Rechnung morgen. Einhundertdreizehn Tage Stillstand. Oder eher Stillschweben. Bis nach den Osterferien hieß es in jener blöden Weihnachtsüberraschung der WSW im Dezember. Nach den Osterferien soll es also wieder losgehen. Ab Freitag, so vermuten einige, werden die Züge schon wieder schweben und die Schiene, die Stromschiene und die Motoren wieder freifahren. Noch ohne Passagiere. Am Montag könnte es dann für alle wieder losgehen. Die Begegnungsverbote an der Stütze 100 in Sonnborn, den alten Stationen Landgericht, Völklinger Str,Werther Brücke und an der Endstation Oberbarmen bleiben bestehen. Für die Wagenhalle Oberbarmen soll es noch weiter Beschränkungen geben. Ich hoffe, es geht am 12.April nach 120 Tagen wieder los. Obwohl, 12.April, war da nicht was?

“Es ist der Morgen des 12.April 1999. Es ist ein Montag nach einem Schwebebahn-Umbau-Wochenende. Seit 1997 wird das 100 Jahre alte Gerüst erneuert, Schritt für Schritt, an den Wochenenden und in den Ferien. So auch an diesem Wochenende in der Nähe des Robert-Daum-Platzes. Die Arbeiter sind spät dran, erst 10 Minuten vor Betriebsbeginn ist die Baustelle geräumt. In Vohwinkel schwebt Gtw 4 aus der Halle in den damals noch nicht erneuerten Bahnhof. Es ist kurz nach halb sechs. Die Bahn pendelt leicht, ruckartig schließen die Türen und mit einem deutlich vernehmbaren metallenen Geräusch rastet die Verriegelung ein. Über den Köpfen der Fahrgäste surrt es, dann rattert die Schwebebahn die Kaiserstraße hinunter, vorbei an den Stationen Bruch, Hammerstein und Sonnborner Str. Am Stadion am Zoo schwebt sie über die Wupper und fährt zügig, wie jeden Morgen, Richtung Oberbarmen. Als Gtw 4 die Station Pestalozzi Str. verlässt, hat er 52 Menschen an Bord. Der Fahrer beschleunigt den Wagen aus der ab 1972 angeschafften Baureihe auf 50 km/h. Kurz vor der Station Robert-Daum-Platz passiert das bis dahin Undenkbare:
Gtw 4 prallt mit dem ersten Fahrgestell auf eine vergessene Kralle, die während der Austauscharbeiten das Gerüst stabilisieren sollte. Das Fahrgestell reißt ab und der aus seinem Gleichgewicht gebracht Gtw stürzt zehn Meter tief in die niedrigwasserführende Wupper Dabei prallt der vordere Teil auf ein Fernwärmerohr der Stadtwerke. Dann durchschlägt das abgerissene Fahrgestell den Fahrgastraum.

Es ist 5:45 Uhr. Gtw 4 wird seine Fahrt nicht beenden und nie wieder durch das Tal schweben.

Ein Mann, der in einem angrenzenden Hochhaus wohnt, ruft die Polizei an. „Die Schwebebahn ist abgestürzt“. Der Polizist in der Leitstelle lacht. Unmöglich! Mitarbeiter der Firma Elba klettern in die Wupper und helfen den geschockten, verletzten Menschen aus der Bahn. Der Fahrer, selber verletzt, hilft mit die verletzten Menschen zu befreien. Die ersten Rettungskräfte treffen ein, erst fassungslos, dann fieberhaft helfend. Der Zugang ist schwierig, die Rettungsarbeiten mühselig. In den Kliniken werden alle Operationen verschoben, Rettungswagen um Rettungswagen eilt zum Unglücksort, drei Rettungshubschrauber treffen ein. Dann ist klar: zum ersten Mal in 100 Jahren fordert eine Schwebebahnfahrt Todesopfer. Zwei Männer werden tot geborgen, die Leiche eine Frau von der Wupper fortgespült und später gefunden. Zwei Menschen erliegen ihren schweren Verletzungen. 5 Tote, 47 Verletzte und eine ganze Stadt steht unter Schock. Ein Mythos ist abgestürzt. Das sicherste Verkehrsmittel der Welt hat einen unschönen Fleck in seiner Vita bekommen.
Nach der Bergung beginnen die Ermittlungen. Gtw 4 wird zum Beweisstück, ein teil des Gerüsts wird entfernt und sichergestellt. Am 31.Mai beginnen die Reparatur arbeiten, am 8.Juni 1999 passieren die ersten Gtws wieder im Fahrgastbetrieb die Unglücksstelle.”

Die Erinnerung: Bilder der WZein Artikel des Tagesspiegels, und die Erinnerung eines Augenzeugen.

In einer Woche jährt sich das Unglück zum 11. Mal.