#Pegida. Von der Überforderung mit der Gegenwart

-christian fragt:

Eine allesbeantwortende Antwort habe ich nicht, wie auch. Aber man könnte die Frage ja noch weiter spinnen. Wieso ziehen jungen Menschen aus Deutschland und der westlichen Welt für einen Islam in den Krieg und den Tod, der auf einer radikalen, selektiven Auslegung des Koran besteht? Wieso werden in den USA Menschen, schwarzhäutige Menschen, regelmäßig von der Polizei getötet, ohne dass es ein Gerichtsverfahren dazu gibt? Warum guckt die Welt beim Bürgermord in Syrien zu? Warum interessiert uns Ebola nicht? (und schieben wir Panik, wenn ein Kranker in Deutschland behandelt wird?) Warum helfen nur wenige der jungen Mutter mit dem Kinderwagen, wenn der Aufzug zum Bahnsteig mal wieder nicht funktioniert? 
Was steht dahinter? Die gewohnten Strukturen schwinden seit Jahren. Die Rente wird weiter privatisiert. Die Bahn auch. Die Infrastruktur zerbricht. Konzerne zahlen Steuern, wo sie wollen. (By the way: DAS SIND WIRTSCHAFTSFLÜCHTLINGE!) Das soziale Sicherungsnetz ist grobmaschig geworden. Die NSA spioniert fröhlich vor sich hin und die Digitalisierung ermöglicht Stasi 2.0.
Und dann verändern sich auch noch traditionelle Rollenbilder. Von Mann und Frau. Von Heterosexualität. Von “Normal” und Behindert. Von Familien. Von Gut und Böse.
Die Welt ist komplex. Die Antworten der
Politik sind schwer verständlich und kompliziert. Viel einfacher ist da der Sündenbock der Pegida. Der Islam ist Schuld. Auch wenn man in Dresden wahrscheinlich eher einen Weihnachtsmann als einen Muslim trifft…
Hinter alledem steht, das zeigt ein aktueller Artikel in der Welt, die Angst vor dem Verlust der Kontrolle. Entschieden wird in Washington, Moskau und Brüssel.
“Auch die wichtigste
politische Bühne der Republik, der Bundestag in Berlin, findet immer
weniger Zuschauer. Drei Viertel der Deutschen haben in den vergangenen
Monaten keine einzige Parlamentsdebatte
im Radio oder im Fernsehen verfolgt. […]
Das
mag man bedauern – überraschend ist es nicht. Denn heutzutage trifft in
erster Linie nicht mehr nur der Bundestag existenzielle politische
Entscheidungen. Wie das Leben im Alltag des deutschen Michel aussieht,
wird zunehmend in transnationalen Regierungs- und Expertengremien
entschieden.”
 Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt ergänzt:

“Wir erleben in der Bundesrepublik seit Längerem eine Verschiebung und
Aufspaltung von öffentlichen Diskursen”, analysiert Werner J. Patzelt.
Auf der einen die “politisch korrekten Diskussionen in den
Kommunikationsräumen der politischen Klasse”. Auf der anderen Seite,
“davon weitgehend abgekoppelt, findet sich eine ganz andere Wahrnehmung
von Themen wie Einwanderung und Integration an den Stammtischen und in
den Familien. Die kommunikative Welt der Politik erreicht diesen Teil der Bevölkerung nicht mehr.”

Das liegt auch an den Medien, die sich im Kampf mit der Digitalisierung befinden und die ihre Deutungshoheit und ihre Sicherheit (Abonnenten) verloren haben. 
Im Bestreben, der Erste zu sein, werden Nachrichten immer einfacher. 
Im Bestreben, die meisten Klicks zu haben, werden Nachrichten immer populistischer.
Im Bestreben, nicht zurück zufallen, werden Nachrichten immer gleichförmiger. 
Recherche kostet. Abschreiben nicht. Ironischerweise trotz Leistungsschutzgesetz. Welches im Übrigen ein gutes Beispiel dafür ist, wie die Lobbyarbeit im fernen Berlin, fern von den Bürgern funktioniert.
Deutschland, die Welt, ändert sich -Globalisierung und Klimawandel- lassen grüßen, aber die Antworten darauf sind alte Konzepte, bei Putin, bei Obama, bei der Großen Koalition.
 Gregor Gysi konstatiert:

“Wenn Gysi im Land unterwegs ist, registriert er “grassierende Ängste,
dass die Politik die Welt nicht mehr im Griff hat”. Die allgemeine
Verunsicherung, glaubt Gysi, trifft nicht nur seine Partei. Über dieses
Problem redet er auch schon mal mit den Parlamentskollegen von der
Union. Denn immer mehr Bürger spüren, dass Deutschland sich massiv
verändert. Erst die Wiedervereinigung, dann die digitale Revolution –
und nun die Einwanderungswirklichkeit. Wo soll das enden?”

Das gilt übrigens nicht nur für das große Ganze. Auch die Wuppertaler Große Kooperation macht weder den Eindruck, dass die Stadt sich selber durch die Gewässer des 21. Jahrhunderts steuert, noch, dass sie dabei auch nur gewillt ist, die Bürger mitzunehmen, sich zu erklären. Vielleicht brauchen wir auch neue politische Verfahrensweisen, die nicht in Hinterzimmern, Sitzungssälen und Fraktionssitzungen entscheidet. Sondern dort diskutiert und debattiert, wo der Bürger es verfolgen kann. Im Rat. Von Anfang an. Auch wenn dann praktische Absprachen und Arbeitsweisen wie die Ausschussarbeit leiden. Denn auch das gehört zum Fazit der Welt:

“Ist das Auftauchen rechter Massenaufmärsche wie in Dresden also in
gewisser Weise ganz normal? Muss man sich womöglich daran gewöhnen?
Vielleicht ist einfach ein klares Wort gefragt. Deutschland verändert
sich in rasendem Tempo. Die Kanzlerin propagiert Regieren mit “ruhiger
Hand”. Im Übrigen fährt sie “auf Sicht”. Doch immer mehr Deutsche wollen
wissen, wohin die Reise eigentlich gehen soll.”

Die Welt ändert sich. Und es gibt viele Kämpfe, um neue Deutungshoheiten, neue Normalitäten, neue Pfründe. Das schürt Angst. Angst vor Verlust, vor Abstieg, vor Niedergang. Die Politik sollte diese Angst ernst nehmen.

P.S. Liebe Verteidiger des christlichen Abendlandes:

Wenn der Menschensohn
in seiner Herrlichkeit kommt und alle Engel mit ihm, dann wird er sich
auf den Thron seiner Herrlichkeit setzen. Und
alle Völker werden vor ihm zusammengerufen werden und er wird sie
voneinander scheiden, wie der Hirt die Schafe von den Böcken scheidet. Er wird die Schafe zu seiner Rechten versammeln, die Böcke aber zur Linken. Dann
wird der König denen auf der rechten Seite sagen: Kommt her, die ihr
von meinem Vater gesegnet seid, nehmt das Reich in Besitz, das seit der
Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist. Denn
ich war hungrig und ihr habt mir zu essen gegeben; ich war durstig und
ihr habt mir zu trinken gegeben; ich war fremd und obdachlos und ihr
habt mich aufgenommen; ich
war nackt und ihr habt mir Kleidung gegeben; ich war krank und ihr habt
mich besucht; ich war im Gefängnis und ihr seid zu mir gekommen.

Dann
werden ihm die Gerechten antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig
gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken
gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?
Darauf
wird der König ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen
meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan. 
Dann
wird er sich auch an die auf der linken Seite wenden und zu ihnen
sagen: Weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den
Teufel und seine Engel bestimmt ist!
Denn ich war hungrig und ihr habt mir nichts zu essen gegeben; ich war durstig und ihr habt mir nichts zu trinken gegeben; ich
war fremd und obdachlos und ihr habt mich nicht aufgenommen; ich war
nackt und ihr habt mir keine Kleidung gegeben; ich war krank und im
Gefängnis und ihr habt mich nicht besucht. Dann
werden auch sie antworten: Herr, wann haben wir dich hungrig oder
durstig oder obdachlos oder nackt oder krank oder im Gefängnis gesehen
und haben dir nicht geholfen?
Darauf
wird er ihnen antworten: Amen, ich sage euch: Was ihr für einen dieser
Geringsten nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und sie werden weggehen und die ewige Strafe erhalten, die Gerechten aber das ewige Leben.

Jesus Christus. (Ehemals Flüchtling in Ägypten). Mt. 25